Projektgruppe Igel
Aufruf zum Igelschutz
Wer kennt sie nicht, die kleinen vierbeinigen stacheligen Gartenbewohner?
Mit Ihnen verbindet man Niedlichkeiten oder drückt gern Themen der Natur- und Tierwelt kindgerecht aus.
Aber wer hat tatsächlich einen Igel in den letzten Wochen, Monaten oder Jahren gesehen?
Zum Schutz des niedlichen Stachelritters machen die Kommunen des Kreises Olpe mit verschiedenen Aktionen auf die Situation des Igels aufmerksam und geben Bürger-innen und Bürgern Tipps und Hinweise um die Lebensumstände der Igel zu verbessern. Unter dem Schirm der Klimaagentur Kreis Olpe e.V. hat sich dazu eine Projektgruppe gegründet, welche aus kommunalen Umweltbeauftragen und Mitglieder der Klimaagentur besteht.
Auf verschiedenen Veranstaltungen im Jahresverlauf, wird das Thema aufgenommen Informationsmaterial angeboten, Spenden für Igelprojekte gesammelt oder zu Mitmachaktionen aufgerufen.
Ein Grund für das langsame Verschwinden ist die lange Gefahrenliste der Igel.
Wenn der Frühling kommt, erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Das gilt auch für die Igel. Steigen die Temperaturen, verlassen die Tiere ihre Winterquartiere und machen sich ab der Dämmerung auch in privaten Gärten oder Parks wieder auf Nahrungssuche.
Doch der bei uns heimische europäische Braunbrustigel gilt nicht mehr als selbstverständlicher Gartenbesucher. In Deutschland, als Wildtier des Jahres 2024 ernannt, gilt der Igel mittlerweile als potentiell gefährdet und es geht ihm von Jahr zu Jahr schlechter.
Igel sind reine Insektenfressen und zu ihrer Hauptnahrung gehören insbesondere Laufkäfer, aber auch Spinnentiere und Raupen und Larven von Faltern stehen auf ihrem Speiseplan und tragen so zu einem intakten ökologischen Gleichgewicht bei. Die Mär, dass Igel im Garten gut gegen Schnecken sind ist jedoch schlichtweg falsch. Zwar fressen Igel hier und da auch einmal eine Schnecke, jedoch eher notgedrungen, wenn nichts anderes zu fangen ist. Ganz im Gegenteil stellt ein schneckenreicher Speiseplan eine Gefahr für den Igel aufgrund von Parasiten dar. Aufgrund des Insektenrückgangs und das dadurch schwindende Nahrungsangebot müssen Igel aber immer öfter auf ungeeignete Beutetiere zurückgreifen.
Im Idealfall halten Igel etwa von Oktober oder November bis in den April Winterschlaf, welchen Sie wettergeschützt in einem Nest unter Schuppen, Holzhaufen und ähnlichen Strukturen verbringen. Für das Nest wird fleißig Laub im Herbst gesammelt, um sich gegen die winterlichen Temperaturen zu schützen. Durch den Klimawandel gestaltet sich der Ruhezustand jedoch nicht mehr so, wie die Natur ihn einst vorgesehen hat. Herzschlag, Körpertemperatur oder Atemfrequenz werden bei Temperaturen unter fünf Grad auf das Nötigste heruntergefahren. Zu hohe Temperaturen oder ständig wechselnde Wetterverhältnisse zwingen die liebgewonnen Insektenfresser ihre
Stoffwechsel immer wieder hochzufahren. Dabei verbrauchen sie lebenswichtige Reserven schon frühzeitig und finden im milden Frühjahr nicht das Nahrungsangebot an Insekten vor, das dann benötigt wird.
Aber nicht nur der Klimawandel steht auf der Gefahrenliste für den Igel.
Zum Jahreszeitenwechsel, ob Herbst oder Frühjahr heißt es in der Regel: Rasentrimmer, Heckenschere oder Laubrechen, -bläser raus in den Einsatz. Für Igel hingegen geht das Hobbygärtnern oft mit einem bösen Erwachen einher. Als nachtaktive Einzelgänger verbringen sie den Tag unter Hecken, Gebüschen, Reisighaufen oder in selbst gegrabenen Erdlöchern – an warmen Tagen zur Abkühlung gerne mit ausgestreckten Gliedmaßen. Wird dann ohne vorherige Kontrolle dieser Strukturen der Rasentrimmer oder Freischneider angeschmissen, kommt es nicht selten zu schweren bis tödlichen Verletzungen für die Igel. Ebenso stellen Insekten- und Pflanzenschutzmittel sowie Mäuse-/Rattengift eine Gefahr dar, da die betroffenen Insekten gefressen werden oder das Giftpräparat direkt.
Aber bereits einfache Maßnahmen im heimischen Garten helfen dem Igel und anderen Wildtieren. Lassen Sie hier und da blütenreiche Ecken für ein ausreichendes Nahrungsangebot stehen, belassen Sie im Herbst Laub im Garten und bieten Unterschlupf und Versteckmöglichkeiten an, wie Laub-, Totholz- und Reisighaufen, Büsche und Hecken.
Achten Sie auch bei Gartenarbeiten auf unseren liebgewonnenen Freund. So sollten Mähroboter nur tagsüber fahren, Holz- und Reisighaufen behutsam umgesetzt werden und der Einsatz von Rasentrimmer, Tellersensen, Freischneidern und Co. mit Bedacht und nach vorheriger Kontrolle erfolgen. Schon mit diesen einfachen Mitteln und etwas „Unordnung“ im Garten kann viel Gutes bewirkt werden!
Damit sich Behörden und Naturschützer ein Bild über den Igelbestand machen können werden Igel-Sichtungen über https://nabu-naturgucker.de/ gemeldet. Anregungen zur Gartengestaltung und Schutzvorkehrungen für den Igel gibt u.a. der Igelverein Pro-Igel e.V. https://www.pro-igel.de/ oder die Umweltbeauftragten der Kommunen bzw. die Klimaagentur Kreis Olpe e.V.
Umweltschutz für Igel: Kleiner Igel, hörst du das? | taz.de
Hilfe für verletzte und gefährdete Tiere – NABU Kreisverband Siegen-Wittgenstein

