2. Die Eisenhütte

logo_Eisenstrasse2. Die Eisenhütte

Die Wendener Eisenhütte wurde im Jahre 1728 von Peter und Johannes Ermert gegründet. Sie bestand zunächst aus dem Hochofengebäude und angegliederten Betriebseinheiten wie zum Beispiel einer Erzwäsche, einer Schlackenpoche, einem Frischhammerwerk sowie einer kleinen Hüttenschmiede. Im Jahre 1774 wandelten die neuen Besitzer den Hammer in ein Raffinierhammerwerk um, und ab 1803 ergänzte man die Anlage um ein weiteres Hammerwerk, ebenfalls einen Raffinier- und Reckhammer. Im Laufe der Zeit wurde der Hochofen erhöht und das Rohstoffmagazin vergrößert.

Der Hochofen, samt Gießhalle, die neue Faktorei – heute ein Wohnhaus – sowie Remise und Pferdestall entstanden zwischen 1808 und 1830.

Im Museumsfaltblatt finden Sie zu den einzelnen Gebäuden weitere Informationen.

Die Wendener Hütte ist eine in situ erhaltene Eisenverhüttungsanlage der Frühindustrialisierung. Sie ist als „Technisches Kulturdenkmal“  in die Denkmalliste eingetragen. Sieben der acht historischen Gebäude sowie die Obergräben und der Untergraben stehen unter Denkmalschutz. Die in situ erhaltenen Gebäude wurden 1978 bis 1996 saniert und die Situation stellt sich heute wie folgt dar: Das älteste erhaltene Gebäude ist das Rohstoffmagazin, zwei Drittel wurden 1728 bei der Gründung der Hütte errichtet, ein Drittel stellt eine Erweiterung aus dem Jahre 1794 dar. Die Aufstockung um ein Fachwerkgeschoss stammt aus dem Jahre 1896. Zentrales Produktionsgebäude war die Gießhalle mit dem Hochofen aus dem Jahre 1809 und dem zweistöckigen angebauten Möllerboden. Ein kleineres Produktionsgebäude stellt das Hammerwerk dar. Zunächst 1728 als Frischhammerwerk errichtet, wurde es 1774 zu einem Raffinierhammerwerk umgebaut. Weitere Gebäude sind eine Remise (um 1830), ein Pferdestall (um 1830), ein Wohn- und Verwaltungshaus (um 1830) und ein weiteres Wirtschaftsgebäude (um 1784), das heute Teil des Museums ist. Ausgehend vom Rohstoffmagazin kann der Produktionsweg vom Erz zum Roheisen über die Möllerbrücke, die Gichtbühne, die Gießhalle bis hin zum Hammerwerk in den Gebäuden erläutert werden.

Im Jahre 2007 erhielt die Anlage einen Museumsneubau. Die Dauerausstellung thematisiert zum einen die Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung in Südwestfalen vom Mittelalter bis zu den heutigen Verfahren und zum anderen die Lebenssituation der verschiedenen Hüttenbesitzer und ihrer Familien.

Mit der Unterschutzstellung in situ konnte der historische und kulturelle Wert der Hüttenanlage erhalten werden. Anders als das in der Dauerausstellung präsentierte Museumsgut, hat das Denkmal seinen „Gebrauchswert“ nicht nur erhalten können, sondern der „Gebrauchswert“ bleibt ein entscheidender Faktor für seine Existenz.  Dem Gedankengang Ernst Bacher folgend, war damit die Aufgabe gegeben, das Denkmal nicht nur zu erhalten, sondern auch zu „revitalisieren“, ohne daraus ein historisches Märchenland zu machen. In Bezug auf die Wendener Hütte heißt das, dass zwar durch Signalobjekte, wie Schaufeln, Waagen und Körbe auf der Gicht, oder Gusskellen, Schaufeln und Zangen am Abstich in der Gießhalle, eine lebendige Attraktivität angestrebt wird, dass jedoch der originale Bestand so wenig wie möglich gestört werden soll.

Ziel ist die Hütten- und Gewerbegeschichte durch attraktive Führungen, multimediale Präsentationen und Events für die Besucher erlebbar zu machen.

Im Gegensatz zu denjenigen Freilichtmuseen, deren Errichtung eine vorhandene Landschaft veränderte und deren Planung auf einem didaktischen Konzept fußte, stehen „technische Kulturdenkmale“ für das gewerbliche oder industrielle Erbe des Standortes. So steht das Hüttenensemble stellvertretend für die lange Tradition der Eisengewinnung und Eisenverarbeitung in den Kulturräumen des südlichen Westfalens mit dem kurkölnischen Sauerland und dem Siegerland.

Monika Löcken, Der hüttenkundliche Wanderweg des Wendener Hütte, Olpe 2013.

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